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Bei einer damaligen Behörde (der DBP, DeutscheBundesPost) habe ich nach der Grundschule einen praktischen Beruf erlernt, den des Fernmelders. Diese Lehre war richtig schwierig, aber ich habe dort sehr Wertvolles für mein zukünftiges Leben gelernt. Ich hätte als Beamter auch ein zwar relativ bescheidenes aber finanziell und arbeitsstellen sicheres Einkommen gehabt.
Auch die Arbeit wäre mir überhaupt nicht schwer gefallen.
Wenn ich nur mein Hirn an der Stechuhr abgegeben hätte.
Hab ich aber nicht, dafür habe ich ein sehr interessantes Leben gehabt. Dank dieser Ausbildung im feinmechanisch-elektomechanischen Bereich war es mir möglich, bei IBM -und in folgenden Jahrzehnten bei weiteren Großfirmen- an der Entwicklung einiger Computer und dem Internet mitzumischen. Für diese Geräte habe ich Grundprogramme (Operating Systeme) geschrieben, damit mit diesen Geräten überhaupt etwas anzufangen war.
Und das kam so.

Als fertig ausgebildeter 'Geselle' wurde mir die Urlaubsvertretung zu großen damaligen SelbstWählämtern übertragen. Duisburg, Wesel, Oberhausen, Mülheim, Düsseldorf, ... Das waren Tanzsaalgroße klimatisierte Räume mit unzähligen elektromechanischen Geräten, die damals zum Telefonieren gebraucht wurden. 
Als Beispiel Hebdrehwähler - und wie das funktioniert.
Die Zeit der gelöcherten Nummernscheibe - mit stetem Höllenlärm;
dieser damalige Höllenlarm wird heute durch Werbung ersetzt.
Ja, ich kenne auch noch die damaligen 'übrig gebliebenen' Handvermittlungen aus den Anfangszeiten der Bundeswehr.

Die bedurften damals auch regelmäßiger Wartung. Eine recht interessante aber nicht schwierige oder gar anstrengende Aufgabe. Im Endeffekt eher langweilig, aber dennoch notwendig. Und zu geregelter Arbeitszeit.
Und wehe, man hätte sich aus dem Fenster gelehnt, und noch etwas mehr zur Weiterbildung unternommen.
Das war mir damals noch nicht bewusst, und so kam es anders als ich es mir dachte.
Und damit beginnt nun die eigentliche Geschichte, die Geschichte wie das Schicksal so spielt.


Es gab in dem Bezirk, wie schon erwähnt, auch zwei größere solcher benachbarter Wählämter: das in Wesel und das in Dinslaken. Die waren per 15 km vieldrahtiger, unterirdischer FernleitungsKabel verbunden; ansich keine große Sache. Heute ginge das per Richtfunk oder GlasfaserKabel.
Damals zählte noch, wie lange eine Verbindung zwischen Teilnehmern dauerte (MinutenTakt). Je länger, desto höher die Kosten. Ein Ortsgespräch kostete nen Groschen, egal wie lange.

Es begab sich, dass aus Wesel regelmäßig bei einem SanitärGroßhändler in Dinslaken Waren nach einer Liste telefonisch bestellt wurden.
Keine große Sache - wenn die Verbindung nur nicht stets nach 2 Minuten zusammenbrechen würde, also mittendrin. Dann alles nochmal. Sehr fehlerträchtig und auch teuerer.
Beide Teilnehmer beschwerten sich natürlich.

Die zwei Minuten ergaben sich durch eine zwischengeschaltete Einrichtung, die feststellte, wann die Verbindung begann, wann also der angerufene Teilnehmer den Hörer abhob. So ergab sich eine akurate Abrechnung. Allerdings wurde auch noch geprüft, ob die Verbindung auch wirklich bestand und ob sie auch gezählt würde. Stellte die Mimik fest, daß die Verbindung zwar begonnen hatte, aber daß beim Anrufer nicht wirklich gezählt wurde (aus welchen Gründen auch immer nicht), dann wurde die Verbindung nach zwei Minuten einfach kurz&bündig getrennt. Das ist eine irre technische Mimik. Damals ohne Elektronik, rein mit elektromechanischen Mitteln.
Und sie traf auf eben jene Verbindung Wesel...Dinslaken zu.
Nur wusste niemand wieso das so war, ein Fehler wurde trotz eifrigen Suchens nicht gefunden, und so ging die Seuche halt monatelang mit steigender Erbosung weiter.

Damals gab es 'Mädchen', Studentinnen (aka Mädchen vom Amt), die die Mimik nach bestimmten Vorgaben turnusmäßig manuell zu prüfen hatten. Auch die fanden keinen Fehler, weil sie strengst nach Anweisungen/Vorgaben prüften, prüfen mussten.
In Dinslaken führte das allerdings eine einzige Dame immer wieder durch. So lag der Verdacht nahe, daß sie fehlerhaft prüfe. Aber sagen durfte keiner was, das wäre böse gewesen, und man hätte sich uU einen ernsthaften Rüffel wegen falscher Verdächtigung eingefangen.

Als ausgebildeter Fachmann konnte ich die Sache aber nicht einfach so liegen lassen.
Deshalb machte ich mich an einem arbeitsfreien Samstag auf die Socken. Ich besuchte den Großhändler in Dinslaken und sah mir seine Telefonanlage an. Die war natürlich sauberst gepflegt, so gut wie neu; und das sagte ich ihm auch.
Also musste der Fehler woanders liegen. Und so war es auch.
Bei eingehender Untersuchung nicht stur nach vorgebenen Anweisungen der von Wesel ankommenden Leitung im Dinslakener Wählamt stellte sich heraus, dass ein bestimmtes Relais in der Anlage nicht richtig mitspielte. Es gab nicht an, dass die Verbindung gezählt würde. So kappte der Rest der Mimik die Verbindung nach zwei Minuten.
Ich ein wenig an dem Relais gebogen (hatte das ja gelernt), und schon war der Drops gelutscht.
Allerdings hätte ich nie mit den darauf folgenden Weiterungen gerechnet.

Am nächsten Montag war ich im Wählamt Duisburg-Meiderich zugange. Als mich dort ein wütender Anruf erreichte. Es war der Amtmann, der für Dinslaken zuständig war.
Wie könne ich mich erdreisten, ohne seine Genehmigung beim Kunden zu erscheinen, um seine Anlage zu besichtigen.
Nun, meine Antwort hatte nicht was mit Arsch zu tun, muss sich aber wohl so angehört haben.
Aber ich wäre doch gar nicht befugt gewesen, beim Kunden zu erscheinen. Was wiederum zur Folge hatte, dass eine weitere Aussprache mit einem noch höheren Tier stattfand.
Ich müsse mich wegen majestätsbeleidigender Amtsanmaßung entschuldigen. Was natürlich nicht stattfand.
Meine lapidare Antwort war nur: hat's geholfen, oder?
So kündigte ich auf der Stelle, basta.
Das war den Herren auch wieder nicht recht. Aber für mich war der Käs endgültig gegessen, obwohl ich noch keine neue Arbeitsstelle hatte.

Die Tochter jenes Amtmannes war übrigens die, die die Prüfungen zwar korrekt nach Blatt, aber unbewusst fehlerhaft durchführte.
Hätte ich das kundgetan, hätte der Amtmann mich geschlachtet.
So sind nach meiner Erfahrung Behörden aufgebaut, blinder Gehorsam ohne Wenn&Aber. Gar kein angenehmer Job.

Meine Kündigung kam zwei Wochen vor meinem AmtsTreueEid zum bestallten Beamten auf Lebenszeit. Und es ging die Prämie für einen Kinderwagen unserer ersten Tochter durch die Lappen.


Danach bewarb ich mich bei IBM, weil 'man wusste', daß IBM gerade im Telefonwesen/Fernübertragung Ausgebildete händeringend suchte, speziell die 'Pöstler'. Aber es wurde auch richtig derbe gesiebt, ob jemand nicht nur Wissen hatte, sondern auch der unerwarteten Belastung standhalten würde.

So war ich, als 'Landesverräter' mit ener lebenslang gesicherten Laufbahn als Beamter, nach einigen Wochen bei IBM auf der GehaltsListe, wurde 1/2 Jahr in Althengstett bei Sindelfingen ausgebildet, und erhielt sofort den dreifachen Lohn eines Beamten. Der Kinderwagen wurde komplett selbst bezahlt.
Diesen Schritt habe ich nie bereut; denn er bescherte mir ein sehr umfangreiches und interessantes Leben in der weltweiten Computerbranche.

Allerdings war das bei IBM wirklich kein träger Job mehr. Besonders im Ruhrgebiet mit Bergwerken, Hochöfen, Walzwerken und Häfen mit dem daran hängenden Bahnbetrieb nicht. IBM erwartete und erhielt auch was dafür.
Im Laufe der Jahre gab es bei IBM auch weitere Schmankerl, wie zB große Systeme (1401 ... /360) und DatenFernÜbertragung.
Ich hatte das Glück, als einer der Ersten in dem damals neuen Sektor Fernübertragung (1030 ... 1070) bei IBM ausgebildet zu werden.

Bei IBM ergeben sich wirklich zusammenschmiedende Kameradschaften, die niemals enden, obwohl die Beteiligten sich in alle Welt verstreuten. Bei IBM wird der Einzelne freiwillig zum gemeinschafltichen Leibeigenen. Meine Kameraden von damals kenne ich alle noch - und die mich auch. So sie noch leben.
Obwohl ich IBM nach 10 Jahren freiwillig verließ, leider verlassen musste aus gesundheitlichen Gründen. Bei IBM ungewöhnlich, undenkbar: wegen Mobbing gingen von 32 Technikern im selben Quartal noch weitere 8; das war klarer Landesverrat. Denn bei IBM wurde vor der Anstellung auch geprüft (und es wird auch gesagt), daß es eine Lebensaufgabe würde. Zudem ist die Aus- und Weiterbildung auch für IBM sehr teuer. Beides setzt kein vernünftiger Mensch aufs Spiel.
Dann wurde auch der Geschäftstellenleiter endlich gegangen.

Danach fing für mich ein noch weit interessanteres Leben an. Und so lernte ich die Welt wirklich rundum kennen. Dabei hat mir das IBM-Image durchaus geholfen.

Schlußfolgerungen:
a)
Verblieben ist mir der Hass, die Verachtung, das 'Mitleid' auf
Behörden, auf deren Mitarbeiter jeglicher Art.
Meinen Lebensunterhalt verdiente ich deswegen hauptsächlich im Ausland zB USA, Canada, Schweiz. Habe aber fair in DE in Rente und Krankenkasse gezahlt. Und das war instinktiv richtig; denn mein letztes beabsichtigtes Projekt (Datensicherheit) über angepeilte 4 Mio Gewinn ging bachab, weil der deutsche Auftraggeber in Insolvenz rutschte - und mich hängen ließ.
Also auch in dieser als (ehemals) seriös vermuteten Branche gibt es Böse Buben. Es geht die Rede: Wo viel Geld ist, sind auch Böse Buben.
Behörden zeigten sich nicht wirklich verhandungsbereit. So gab ich zu meinem regulären Rentenbeginn das Gewerbe auf, und lebe nun frei jeder Verpflichtung von der Rente. Stand Sommer 2025, jeden Morgen fange ich mit den nächsten 100 Jahren an.

b) Damit ein Vogel frei fliegt, säge einfach seinen SitzAst ab.
In jedem Mißgeschick liegen ungeahnte Möglichkeiten.


OT:
Bei neuen Computern gibt es noch keine Regeln, die werden erst nach zukünftigem Bedarf erdacht. Ist nicht wie SchachSpielen, wobei es strikte Regeln gibt, nach denen sich die Spieler zu richten haben. Aber mit neuen ComputerRegeln ist es dann möglich, daß mit dem neuen Computer überhaupt etwas angefangen werden kann.
Diese beiden Metiers sind also grundverschieden.
Schach: vorhandene Regeln strikte befolgen,
Computer: neue, nicht vorhandene Regeln bauen; ist also wie Schachregeln ausdenken.